Homöopathie

Dieser Beitrag stammt von Thomas Mickler, der als Heilpraktiker in Mülheim an der Ruhr eine Praxis für Homöopathie betreibt.

Die Homöopathie

Allgemeines
Die Homöopathie ist eine eigenständige Arzneitherapie mit einer klar definierten Vorgehensweise. Sie wurde von dem sächsischen Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) ins Leben gerufen und wird seit über 200 Jahren von Ärzten und Nichtärzten bei akuten wie chronischen Erkrankungen angewendet. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern "Homoion" (= ähnlich) und "Pathos" (= leiden) zusammen.


Eine Arznei kann bei einem gesunden Menschen bestimmte Krankheitssymptome hervorrufen. Wenn nun ein Kranker ähnliche Symptome hat wie die, welche von der Arznei beim Gesunden hervorgerufen werden, so kann dieses Arzneimittel seine Krankheit heilen.


"Wähle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden (homoion pathos) für sich erregen kann, als sie heilen soll!" (Samuel Hahnemann)
Man kann die Homöopathie auch als Reiztherapie bezeichnen, die die Selbstheilungskräfte des Organismus aktiviert bzw. in die richtigen Bahnen lenkt.
Krankheit wird hier nicht als isoliertes Geschehen betrachtet, das nur ein einzelnes oder mehrere Organe betrifft (so als sei z. B. nur der Magen krank), sondern als Ausdruck einer Störung des ganzen Organismus. Die Homöopathie betrachtet einen Menschen immer in seiner Gesamtheit, zu welcher auch die Gemütsverfassung, Lebensgewohnheiten usw. gehören.
Die Verordnung nur eines Arzneimittels zur gleichen Zeit für die Gesamtheit aller Beschwerden einer Person erfolgt nach einem umfassenden Erstgespräch (Erstanamnese), in der die Symptome der Krankheit genau ermittelt werden, von ihrem zeitlichen Beginn bis zum heutigen Tage. Dazu gehören auch Symptome, die nicht offensichtlich mit der bestehenden Krankheit zu tun haben. Der Schlüssel zur Auffindung der passenden Arznei ist hierbei strenge Individualisierung!
Hahnemann entwickelte die Homöopathie systematisch nach wissenschaftlichen Kriterien, womit sie zu einer lehr - und lernbaren Methode wurde. So beruht die Homöopathie auf den von ihm gefundenen und formulierten Gesetzen.


Das grundlegende Werk zur Homöopathie ist Hahnemanns "Organon der Heilkunst"

Zum Bestellen: Hahnemann, Organon der Heilkunst / Mit CD-ROM


Ähnlichkeit
Das Ähnlichkeitsgesetz (die genaue Übersetzung ist: "Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt") bildet die Grundregel aller homöopathischen Therapie. Der Name Homöopathie ist - wie schon gesagt - davon abgeleitet. Hahnemann entdeckte, daß ein Mittel, welches beim Gesunden bestimmte Symptome erzeugen kann, dieselben Symptome bei einem Kranken zu heilen vermag. So muß das vom Arzneimittel bei Prüfern hervorgerufene Krankheitsbild (Arzneimittelbild) dem Krankheitsbild des Patienten ähnlich sein. Dieses Naturgesetz hat seine Gültigkeit in allen Lebensbereichen - sonst wäre es ja auch kein Naturgesetz.
Wenn Sie sich beispielsweise im Winter die Hände erfroren haben, werden Sie sie mit Schnee abreiben oder unter kaltes Wasser halten (was etwas Ähnliches ist) und sie niemals unter heißes Wasser halten, weil das nur weh tut und die Hände viel länger brauchen, bis sie wieder warm sind.


Homöopathie und Naturheilkunde
Unter "Naturheilkunde" versteht man heute einen Sammelbegriff für eine große Anzahl von verschiedenen Behandlungsmethoden, die sich sehr voneinander unterscheiden. So können zwei Therapeuten, gleichgültig ob Arzt oder Heilpraktiker, eine Praxis für Naturheilkunde betreiben und doch ganz verschiedene Methoden anwenden.
In der Naturheilkunde findet man übrigens sogar Methoden, welche vor rund 200 Jahren zum Repertoire der "Schulmedizin" gehörten und vom Begründer der Homöopathie sehr kritisch beurteilt wurden, wie zum Beispiel die unmäßige Anwendung von Aderlässen, Schröpfen und Kanthariden-Pflastern.
Klassische Homöopathie
Der Name "klassische Homöopathie " entstand, weil diejenigen Homöopathen, die eng angelehnt an die reine Lehre Hahnemanns arbeiteten, sich von jenen abgrenzen wollten, die nicht oder kaum noch nach den Regeln der Homöopathie Hahnemanns arbeiteten. Heute gibt es jedoch keine Gewähr mehr dafür, daß jemand „klassisch“ arbeitet, der sich klassisch nennt. Es bleibt einem kaum erspart, sich selbst darüber zu informieren, wie man eine gute Homöopathin bzw. einen guten Homöopathen findet.


Arzneimittel
Die Homöopathie hat in ihrem Arzneischatz zwar viele Pflanzen, ist jedoch nicht darauf beschränkt. So kommen viele andere Stoffe aus der belebten und unbelebten Natur zum Einsatz wie Mineralien, Metalle und auch Stoffe tierischen Ursprungs. Der Unterschied zur Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) besteht in einer anderen Art der Zubereitung und Anwendung der Arzneien, die nur wenige Gemeinsamkeiten aufweist. Der wesentlichste Unterschied ist wohl, daß die Homöopathie ihre Arzneimittel nach dem von Hahnemann formulierten Naturgesetz anwendet: „Similia similibus curentur“ - Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt.


Arzneimittelbild
Hahnemann stellte, zunächst in Selbstversuchen, fest, daß jeder Stoff, wenn er von Gesunden eingenommen wird, bestimmte Beschwerden und Befindensveränderungen hervorruft. Diese Beschwerden sind kennzeichnend für die Wirkung des jeweiligen Stoffes, und dieser kann nach dem Ähnlichkeitsgesetz die Symptome, die er bei einem gesunden Menschen hervorruft, bei einem Kranken auch heilen. So nahmen Hahnemann und seine Schüler (mitunter auch seine leidgeprüfte Familie) Arzneistoffe selbst ein, bis sie an sich selbst Krankheitssymptome bemerkten und notierten sie sehr genau. Diese Sammlung der Symptome verschiedener "Prüfer" eines Arzneistoffes ergab ein sehr genaues Bild des Wirkungsspektrums des Mittels, welches man Arzneimittelbild nennt. Die Erkenntnisse aus Vergiftungsfällen spielen natürlich auch noch eine gewisse Rolle. Ohne die Durchführung einer Arzneimittelprüfung am Gesunden könnte kein Arzneimittel nach den Gesetzen der Homöopathie angewandt werden, da man nur auf diese Weise erfahren kann, welche Art Veränderungen ein Stoff im Befinden eines Menschen auszulösen vermag. Die Mittel werden nicht an kranken Menschen angewendet, ohne vorher ein ziemlich genaues Bild von ihrer Wirkung gewonnen zu haben. Übrigens klingen die Krankheitssymptome nach einer richtig durchgeführten Arzneimittelprüfung von selbst wieder ab, wenn man aufgehört hat, einen Stoff einzunehmen. Bis heute sind weit über 1000 verschiedene Arzneien mehr oder weniger gut geprüft, von den circa 150 wichtigsten Arzneimitteln sind je an die 3000 einzelne Symptome bekannt, die man in den sog. Arzneimittellehren wiederfinden kann.


Potenzierung
Hahnemann entwickelte, zunächst angetrieben durch den Wunsch, die starken Reaktionen auf die Gaben roher Arzneisubstanzen zu verringern, ein eigenes Verfahren zur Herstellung von Arzneimitteln und führte dieses nach jahrelangen Experimenten in die Homöopathie ein.
Die Arzneien werden stufenweise verdünnt und zwischen jedem Verdünnungsschritt verrieben bzw. verschüttelt. Im Gegensatz zu dem weit verbreiteten Irrtum, es handle sich lediglich um eine Verdünnung, kommt der Verreibung bzw. dem Verschütteln eine große Bedeutung zu. Erst dadurch, zusammen mit der Verdünnung, wird die Arzneikraft in vollem Maße erschlossen.
Die Verdünnung erfolgt mit den arzneilich neutralen Substanzen Alkohol oder Milchzucker. Bei der ersten Verdünnungsstufe (z. B. im Verhältnis 1:100) wird 1 Teil des Arzneistoffs mit 100 Teilen Milchzucker eine Stunde lang verrieben, das Ergebnis ist die C1. Dann wird im selben Verhältnis weiter verdünnt, wieder verrieben (bzw. auch verschüttelt), so bekommt man die C2, usw.. Es wird hier also keineswegs nur verdünnt.
Die Potenzierung der Arzneien ist jedoch kein unerläßlicher Bestandteil der Homöopathie, d. h. die Methode ist grundsätzlich auch mit unpotenzierten Arzneien wirksam - so wurde in der Anfangszeit der Homöopathie noch ohne die Potenzierung gearbeitet.
Wenn man ein "homöopathisches Mittel" verordnet bekommt (so werden diese Mittel im Allgemeinen genannt, was genau genommen falsch ist, man würde sie besser „potenzierte Arzneien“ nennen oder „nach den Regeln der Homöopathie zubereitete Arzneimittel“), so hat man damit noch keine Gewähr dafür, daß das Mittel auch nach dem Ähnlichkeitsgesetz verordnet wurde. Erst durch die Verschreibung nach diesem Gesetz wird eine Arznei zu einem homöopathischen (= ähnlichen) Mittel für eine Krankheit. Nur wenn die bestehenden Symptome der Krankheit den Symptomen ähnlich sind, die durch diese Arznei bei einem gesunden Menschen hervorgerufen werden können, kann man eine heilende Wirkung erwarten.
Die Verordnung eines sogenannten "homöopathischen Mittels" allein ist noch lange keine Homöopathie, das ist sehr wichtig zu wissen!


Behandelbare Krankheiten
Prinzipiell ist die Homöopathie eine universelle Heilungsmethode, d. h. man kann (fast) alles behandeln, was nicht gerade zwangsläufig in den Bereich der Chirurgie oder Notfallmedizin gehört.
Akute Erkrankungen wie Mittelohrentzündungen, Blasenentzündungen, Kinderkrankheiten, Ischialgien, Grippe und Erkältungen sprechen im Allgemeinen sehr schnell auf ein homöopathisch richtig verordnetes Mittel an. Häufig sieht man in der homöopathischen Praxis Patienten mit allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, mit Neurodermitis, Asthma, Psoriasis, Infektanfälligkeit, rheumatische Erkrankungen, Magen-Darm-Krankheiten, psychosomatische Krankheiten... . Doch auch viele andere akute und chronische Erkrankungen, teilweise auch solche, die in der orthodoxen Medizin als schwer oder gar nicht beeinflußbar gelten, lassen sich mit Homöopathie erfolgreich behandeln. Wenn man die Krankenjournale der Homöopathen bis Anfang unseres Jahrhunderts liest, so findet man auch viele geheilte Fälle von sehr ernsthaften Krankheiten wie Lungenentzündungen, Malaria, Cholera, Typhus, Tuberkulose usw. und man wundert sich, wozu die Homöopathie fähig ist.
Bei Menschen, denen Organe entfernt wurden oder deren Organe durch lange Krankheitsdauer schon erheblich geschädigt sind, ist natürlich auch mit Homöopathie keine vollständige Heilung mehr möglich. Doch läßt sich auch in diesen Fällen der allgemeine Gesundheitszustand oft noch erheblich verbessern, wenn die Homöopathie neben der manchmal unerläßlichen schulmedizinischen Therapie eingesetzt wird. Diabetiker zum Beispiel brauchen möglicherweise weniger Insulin und leiden weniger an Folgeerkrankungen des Diabetes.
Letztendlich hängt es in hohem Maße von den Fähigkeiten und der Erfahrung des behandelnden Homöopathen ab, was man mit Homöopathie behandeln kann.

"Da dieses Naturheilgesetz sich in allen reinen Versuchen und allen ächten Erfahrungen der Welt beurkundet, die Thatsache also besteht, so kommt auf die scientifische Erklärung, w i e d i e ß z u g e h e, wenig an und ich setze wenig Werth darauf, dergleichen zu versuchen..."
(Hahnemann in Organon der Heilkunst, 6. Auflage, Einleitung bzw. § 28)

Mülheim an der Ruhr, den 28.11.2008


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