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Institut Naturheilkunde im Steigerwald-Ralf Gerdawischke

Interview Heilpraktikerausbildung
1. Bitte geben Sie uns eine Kurzvorstellung. Wer sind Sie? Wie heisst Ihre Ausbildungsstätte? (Die, die SIe betreiben oder die an der Sie gelernt haben)

Guten Tag. Mein Name ist Ralf Gerdawischke. Ich betreibe seit 2005 das Therapie-und Ausbildungszentrum Naturheilkunde im Steigerwald. Hierzu gehören eine Heilpraktikerschule und zwei Naturheilpraxen mit dem Themenschwerpunkt biologische Schmerztherapie & Naturheilkunde

2. Welche Art der Ausbildung bieten Sie an/haben Sie gemacht? Warum finden Sie diese oder eine andere Einteilung am Besten?

Ich selber habe nach über 20 Jahren in der Schulmedizin die Ausbildung zum allgemeinen (umgangssprachlich großen) Heilpraktiker gemacht. An meinem Institut biete ich die Studiengänge zum „großen“ HP aber auch für den HP Psychotherapie an. Um der Nachfrage gerecht zu werden haben wir unterschiedliche Studiengangsmodelle entwickelt. Es gibt eine 1 jährige Ausbildung zum allg. HP für Teilnehmer mit med. Vorbildung. Dieser Studiengang ist sehr intensiv und kompakt mit einem Unterrichtstag/Woche. Dann gibt es die zweijährige Ausbildung mit einem Unterrichtstag/Woche oder mit einem Unterrichtswochenende/Monat. Für den HP Psychotherapie bieten wir einen 6 monatigen Crashkurs und einen 1jährigen Studiengang mit jeweils einem Unterrichtstag/Woche an.

Ich glaube die Form oder Einteilung des Studiengangs ist nicht entscheidend, sondern sollte der Lebenssituation der Teilnehmer angepasst sein. Für den einen ist es wichtig wöchentlich den Unterricht zu besuchen um so kontinuierlich lernen zu müssen, anderen ist es lieber 1x ein ganzes Wochenende/Monat den Unterricht zu besuchen und dann das Thema bei freier Zeiteinteilung häuslich aufzubereiten. Die überaus hohe Bestehensquote in beiden Studiengängen zeigt uns aber dass die Form/Art der Einteilung alleine nicht entscheidend ist sondern die richtige Wahl des Studiengangs die sich realistisch an den Lebenssituation der Teilnehmer orientieren muss.

3. Was sollte Ihrer Meinung nach die Motivation sein den Beruf des Heilpraktikers zu ergreifen?

Nun, das wichtigste ist natürlich der Wunsch helfend tätig sein zu wollen. Freude an der Arbeit mit Menschen. Dazu brauch es diese Neugierde verstehen zu wollen wie dieser menschliche Körper funktioniert (ähnlich wir der KFZ Mechaniker die Technik des Autos verstehen will). Wenn die Basic verstanden ist beginnt der eigentlich spannende Teil…nämlich sich zu erschließen wie die naturheilkundlichen, alternativen Heilmethoden funktionieren und angewendet werden können.

Für die amtsärztliche Prüfung und staatliche Zulassung ist tatsächlich ausschließlich das schulmedizinische Wissen entscheidend und wichtig, dessen sollte sich jeder bewußt sein der sich für diesen Beruf interessiert. Diese Hürde muss genommen werden und das Vermitteln des schulmedizinischen Wissens ist der primäre Lehrauftrag an die Heilpraktikerschulen. Schulen die zugleich viele Naturheilverfahren anbieten/unterrichten sind daher nicht geeignet um in kurzer Zeit sicher die Prüfung zu meistern. Ich glaube das dieser hohe Anspruch auch die Qualität des Berufsstandes sichert. Unsere Erfahrung zeigt uns immer wieder das selbst viele Ärzte überrascht sind welch enormes und umfangreiches medizinisches Basiswissen in unseren Ausbildungen vermittelt wird und in der amtsärztlichen Prüfung gefordert ist. Ich glaube das wir das auch unseren Patienten schuldig sind wenn wir Naturheilkunde auf hohem Niveau anbieten wollen. Der Heilpraktiker hat die gleiche Verantwortung für seinen Patienten wie der Arzt auch. Somit sollte neben dem Interesse auch der Wunsch bestehen verantwortungsbewußt und Eigenständig diesen Beruf auszuüben. Arzt und Heilpraktiker sind in Deutschland die einzigen Heilberufe alle anderen medizinischen Berufe sind Heilhilfsberufe. Nur der Arzt oder Heilpraktiker darf selbständig eine Diagnose stellen und eine Therapie einleiten. Dies unterstreicht sicherlich nochmals den Stellenwert und das hohe Maß der Verantwortung eines Heilpraktikers.


4. Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Heilpraktiker aus?

Ein solides medizinisches Fachwissen. Dies gibt Ihm auch die Möglichkeit medizinkritisch zu denken. Er sollte sich regelmäßig in seinem Fachbereich fortbilden und nur Verfahren selber anwenden die er sicher beherrscht. Das beinhaltet auch immer zu prüfen ob seine Verfahren für das entsprechende Beschwerdebild geeignet sind.

Ganz wichtig ist heute aber auch, das er sich Zeit nimmt für seine Patienten, etwas was die sogenannte Schulmedizin kaum noch leisten kann und auch deshalb etwas gefährlicher macht. Ein guter Heilpraktiker will den Patienten in seiner Gesamtheit verstehen…nicht nur isoliert das Symptom.



5. Wie versuchen Sie Ihre Schüler dazu zu machen? Was sind die Besonderheiten Ihrer Ausbildung und Ihres Personals? (nur für Ausbildungsinstitute)

Wir bieten einen fundierten Unterricht der sich nahezu ausschließlich mit schulmedizinischen Inhalten beschäftigt. Ein über viele Jahre entwickeltes Curriculum hilft den Teilnehmern das Funktionieren der einzelnen Organsysteme zu verstehen und das Zusammenspiel der einzelnen Organsysteme miteinander zu verknüpfen. Mit diesem Wissen wird dann die Pathologie verständlich und das Differenzialdiagnostische denken trainiert. Ein ganz wichtiger Baustein für die tägliche Praxis. Der hohe praktische Anteil, angefangen vom präparieren an einigen Tierorganen (Herz,Niere, Verdauungsorgane) zum „begreifen“ bis hin zum intensiven üben der körperlichen Untersuchungstechniken und deren Grenzen sind fester Bestandteil der Ausbildung. Unterstützt wird das ganze durch unsere Lerngruppe…hier können einzelne Themenblöcke noch zusätzlich intensiviert werden, aber auch die Möglichkeit der Hospitation in der Praxis. Zum Ende der Ausbildung können Teilnehmer auch schon eigene „Patienten“ unter Anleitung in unserer Praxis untersuchen (im Sinne der Lehrpraxis).

6. Wie sehen Sie die Zukunft der Zunft? Welche Entwicklungen in der Ausbildung, aber auch in medizinischer Hinsicht erachten Sie als wichtig.

Ich denke die Zukunft ist unverändert gut. Die Nachfrage nach sanfter naturheilkundlicher Therapie ist größer denn je zuvor. Die Naturheilkunde hat auch nicht geschlafen und sich stetig weiter entwickelt. So werden viele alte Therapieverfahren mit moderner Technologie verknüpft, viele Therapiekonzepte wurden verfeinert.



Besonders wichtig erscheint mir aber die Entwicklung…und da sind wir Ausbildungsinstitute dran … naturheilkundliche Medizin als komplementäre Medizin zu verstehen. Wir haben viele Schnittstellen wo wir uns wunderbar mit der Schulmedizin ergänzen und umgekehrt auch. Dies gilt es für unsere Patienten besser zu nutzen. Kein Therapeut kann Alles und Naturheilkunde hat nichts mit Esotherik und mystischen Dingen zu tun, sondern ist eigentlich die Wiege der Schulmedizin mit vielen bewährten Therapieverfahren. Diese sind nur bei der schnellen und vor allem technisch rasanten Entwicklung der Medizin in Vergessenheit geraten. Beispiel: Wir können in Gehirnen operieren, aber einen Bluthochdruck schulmedizinisch oft nicht behandeln. Es werden Medikamente gegeben dessen wirkweise uns oft nicht bekannt ist… diese Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen. Aber wir haben durch die enorme Entwicklung auch ganz viel segenreiches erreicht.



Solange es uns gelingt das unsere Therapieverfahren nicht zur „Kassenleistung“ werden, wir somit frei sind in unserer Therapiewahl (bei vorhandener Kurierfreiheit - die der Arzt nicht hat) werden wir ein ganz wichtiger Bestandteil des medizinischen Versorgungssystem sein und bleiben.

7. Mit welchen Kosten muss man für die Ausbildung rechnen? Gibt es Fördermöglichkeiten vom Staat?

Die Preisgestaltung ist sehr unterschiedlich. Ich denke im rechnerischen Mittel muss man zum Erlangen der Heilerlaubnis als medizinischer Laie etwa 5000 EUR investieren, jemand mit medizinischer Vorbildung sollte mit der Hälfte also ca. 2500 EUR rechnen. Absolventen mit medizinischer Vorbildung können die Ausbildungskosten im Regelfall zu 100% steuerlich geltend machen. Fördermöglichkeiten sind von Bundesland zu Bundesland recht unterschiedlich.

Der Hintergrund hierzu ist recht kompliziert. Die Heilpraktikerausbildung zählt nicht zu den sogenannten Ausbildungsberufen, da es zwar eine Prüfungsordnung aber keine Ausbildungsordnung gibt. Im Steuerrecht sind aber die Heilpraktikerschulen als berufsbildende Einrichtungen anerkannt. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es die Möglichkeit des Bafög da hier die (Ganztags)schulen staatlich anerkannt werden Das gibt es in den meisten anderen Bundesländern so nicht. Ansonsten gibt es aktuell noch den Bildungszuschuss von 500 EUR die aber nicht alle Heilpraktikerschulen akzeptieren (auch nicht müssen).



Leider wird hieraus oft abgeleitet das Heilpraktiker kein anerkannter Beruf sei. Um dies auch hier nochmals deutlich zu machen. Heilpraktiker ist ein staatlich anerkannter Beruf mit einer ordentlichen staatlichen Prüfung durch das Gesundheitsamt. Der Beruf des Heilpraktiker ist gesetzlich geregelt und die Berufsbezeichnung entsprechend geschützt. (Ausnahme der Tierheilpraktiker)





8. Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um Heilpraktiker werden zu können?

Dies ist im Heilpraktikergesetz und dessen Durchführungsverordnung gesetzlich festgelegt.

Mindestalter 25

Hauptschulabschluss

Frei von Sucht und schweren Gemütserkrankungen (ärztl. Attest)

Tadelloses Führungszeugnis

Bestehen der amtsärztlichen fachlichen Überprüfung (schriftlich,mündlich,praktisch)



9. Welche Möglichkeiten bestehen nach Abschluss der Ausbildung, als Heilpraktiker zu arbeiten?

Im Regelfall arbeitet der Heilpraktiker selbständig in eigener Praxis oder Gemeinschaftspraxen.

In welchen Bereichen ist vom Abschluss abhängig

Der sogenannte große HP darf in fast allen Fachdisziplinen tätig sein außer Zahnheilkunde, Geburtshilfe, Radiologie , Gentechnologie

Der HP Psychotherapie in allen nicht körperlich begründbaren und nicht endogenen schweren Psychiatrischen Krankheitsbildern. Das sind im wesentlichen der große Bereich der Neurosen oder wie man heute richtig sagt psychogenen Psychosen.

Der HP Physiotherapie darf eigentlich nichts anderes als wie zuvor auch…nur eben ohne ärztliche Verordnung beim Privatpatienten



Hieraus ergibt sich ein unheimlich weites Spektrum in dem der Heilpraktiker arbeiten kann. Selbst beim HP Psychotherapie (der große HP beinhaltet den kleinen HP und darf ebenso psychotherapeutisch tätig werden) ist das Spektrum vom Coaching (auch für große Firmen) über Paartherapie, Kinder-Jugendarbeit, Psychotherapie, Hypnose …uvm sehr weit.

10. Wie sehen die Aussichten aus, als selbstständiger Heilpraktiker von seinem Einkommen leben zu können?

Grundsätzlich sehr gut. Ein Einkommen von monatlich 4000-5000 EUR ist durchaus realistisch (und entspricht den Ausbildungskosten)

Die Entwicklung des Ärztemangels insbesondere im ländlichen Bereich verbessert die wirtschaftliche Situation gleichermaßen wie die Entwicklung das die Mehrheit nach alternativen Behandlungsmethoden sucht. Natürlich ist dies immer abhängig , wie bei jeder Selbständigkeit, wie sehr man sich in seine Arbeit reinkniet. Nur die Prüfung zu machen und ein Praxisschild raushängen wird hier nicht reichen. Aber auch hier geben wir als Ausbildungsinstitute wertvolle Hilfen um den Weg in die Selbständigkeit gut zu meistern.

11. Hand aufs Herz, würden Sie den Beruf des Heilpraktikers wieder ergreifen?

Ich kenne keinen schöneren und freieren Beruf im Gesundheitswesen, der mir so viele Möglichkeiten gibt bei relativ günstigen Ausbildungskosten.

Jederzeit würde ich mich wieder so entscheiden.



Mit freundlichen Grüßen

Ralf Gerdawischke

Institut Naturheilkunde im Steigerwald

Heilpraktikerschule und Praxis für biologische Schmerztherapie & Naturheilkunde

www.heilpraktikerausbildung4you.com

www.natürlich-schmerzfrei.com