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Ars curandi Heilpraktikerschule

> Interview Heilpraktikerausbildung
> 1. Bitte geben Sie uns eine Kurzvorstellung. Wer sind Sie? Wie heisst Ihre Ausbildungsstätte? (Die, die SIe betreiben oder die an der Sie gelernt haben)

Carl Classen ist mein Name. Das Homöopathieinstitut ars curandi gründete ich 1997. ars curandi bedeutet "Kunst des Heilens". Mein Anliegen ist, andere Menschen auf ihrem eigenen Weg zum Heilkünstler, mithin zur Entfaltung ihrer Therapeutenpersönlichkeit zu begleiten. Neben Lehr- und Praxistätigkeit bin ich schriftstellerisch tätig und engagiere mich auch berufspolitisch.

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> 2. Welche Art der Ausbildung bieten Sie an/haben Sie gemacht? Warum finden Sie diese oder eine andere Einteilung am Besten?

Bewusst getrennt haben wir die medizinische Grundausbildung und Vorbereitung zur gesundheitsamtlichen Heilpraktiker-Überprüfung einerseits, und andererseits die dreijährige Homöopathie-Fachausbildung. Wir empfehlen, beides nacheinander und nicht zugleich zu machen. Im Laufe der medizinischen Grundausbildung kann man sich orientieren, ob man später mit der Homöopathie oder mit anderen Verfahren weitermachen möchte. Für andere Verfahren empfehlen wir eine nicht kürzere Ausbildung an anderen Instituten.

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> 3. Was sollte Ihrer Meinung nach die Motivation sein den Beruf des Heilpraktikers zu ergreifen?

1. Ein tiefes Interesse an den persönlichen Prozessen anderer Menschen.
2. Ein tiefes Interesse an einer Zusammenschau körperlicher und geistiger Vorgänge, frei von vorgefassten Interpretationen.
3. Empathie, Eigenverantwortlichkeit, Inspiration sowie Durchhaltevermögen auf dem Weg, Ihre Vision und Idee ganz auf den Boden zu bringen.

Die Begeisterung für ein bestimmtes Heilverfahren kann nur der Anfang sein. Stellen Sie sich darauf ein, dass die Vorgänge rund um Krankheit und Heilung, Gesundheit und Leben komplex und tiefgreifend sind, und auch um ihrer selbst Willen ein langes, gründliches Studium lohnen.


> 4. Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Heilpraktiker aus?

Da es "den" guten Heilpraktiker oder "die" gute Heilpraktikerin nicht als fixen Typus gibt, steht die persönliche Stimmigkeit an erster Stelle. Je nach Persönlichkeit kann es für einen Patienten durchaus unterschiedlich sein, wer "gut" für einen ist, und ebenso unterschiedlich kann der persönlich stimmige Weg eines Heilpraktikers aussehen. Es reicht aber nicht, sich mit seiner Heilpraktikerin oder seinem Heilpraktiker "gut zu verstehen". Deswegen sind folgende, zusätzliche Kriterien ebenso wichtig:
1. eine fundierte Ausbildung in allen angewendeten Therapieverfahren,
2. regelmäßige Fortbildung, die Aus- und Fortbildung kann bspw. eventuell durch Anschluss an ein Zertifizierungssystem nachgewiesen werden,
3. Reflexion des eigenen Tuns und fortlaufende persönliche Weiterentwicklung, was mit formalen Fortbildungskriterien alleine nicht abzudecken ist.

Skeptisch wäre ich gegenüber therapeutischen Omnipotenzen, beispielsweise wenn extrem hohe Heilungsquoten behauptet werden oder wenn jemand ein gutes dutzend Therapieverfahren gleichermaßen beherrscht (30 Sprachen fließend zu sprechen wäre wahrscheinlicher).


> 5. Wie versuchen Sie Ihre Schüler dazu zu machen? Was sind die Besonderheiten Ihrer Ausbildung und Ihres Personals? (nur für Ausbildungsinstitute)
Unsere Studierenden sind ja nicht Ton in unserer Hand, sondern Individualitäten, die ihren eigenen Weg gehen. Über die Vermittlung des Stoffes hinaus versuchen wir Raum zu schaffen und dem Wachstum der "Therapeutenpersönlichkeit" in jedem durch wechselseitigen Austausch, Wahrnehmung und Reflexion Nahrung zu geben.
Eine Besonderheit unseres Institutes ist die Verbindung von eigenverantworlichem Lernen mit Kontaktunterricht in eher kleinen Gruppen. Wir unterstützen das eigenverantworliche Lernen auf vielfältige Weise, bauen dabei aber auf die Initiativkraft und Fähigkeit der Studierenden zur Selbstorganisation. Diese Fähigkeiten sollte jede und jeder bereits in gewissem Grade mitbringen. Im Beruf sind sie ohnehin unverzichtbar.

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> 6. Wie sehen Sie die Zukunft der Zunft? Welche Entwicklungen in der Ausbildung, aber auch in medizinischer Hinsicht erachten Sie als wichtig.

Die zukünftige Entwicklung des Heilpraktikerberufs steht unter dem Druck der europäischen Patientenrechtedirektive, von Bestrebungen zur Akademisierung der Heilpraktiker und Tendenzen zur Normierung der Anforderungen an Gesundheitsberufe. Derweil zeigen sich die meisten Heilpraktikerverbände durch Verstrickung in Geschäftsmodelle (eigene Ausbildungsbetriebe, Kongressmarkt etc.) sehr eingeschränkt in ihrer Fähigkeit zur konstruktiven Zusammenarbeit. Die Neuzulassung von Heilpratikern sehe ich durch diese Entwicklungen mittelfristig bedroht. Manche hätten gerne ein Bachelor-Studium als Voraussetzung und wollen den Heilpraktiker in das Gesundheitssystem intergrieren -- doch womöglich nur als billigen Arztersatz? Diese Entwicklungen werden kontrovers diskutiert. Wer jedoch bereits eine Heilerlaubnis hat, dem kann diese nicht ohne Weiteres entzogen werden.

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> 7. Mit welchen Kosten muss man für die Ausbildung rechnen? Gibt es Fördermöglichkeiten vom Staat?

Die Heilpraktiker-Ausbildung alleine kostet durch unsere Kombi von eigenverantwortlichem Lernen und Kontaktunterricht, in Zusammenarbeit mit einem Partner, deutlich unter 2.000,- Euro. Die Homöopathie-Ausbildung kostet nochmals rund 4.000,- Euro. Bildungsprämie und andere Förderprogramme sind möglich.

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> 8. Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um Heilpraktiker werden zu können?

Die gesetzlichen Voraussetzungen sind vor allem Vollendung des 25. Lebensjahr und bestandene Heilpraktiker-Überprüfung. Seine inneren Voraussetzungen zu therapeutischer und freiberuflicher Tätigkeit, insbesondere die eigene Motiviation und Durchhaltekraft, muss jeder für sich selbst überprüfen.

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> 9. Welche Möglichkeiten bestehen nach Abschluss der Ausbildung, als Heilpraktiker zu arbeiten?

Die Mehrzahl unserer Absolventen gründet ihre eigene Praxis.

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> 10. Wie sehen die Aussichten aus, als selbstständiger Heilpraktiker von seinem Einkommen leben zu können?
In der Regel gut, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
1. gute Ausbildung und fortlaufende Fortbildung,
2. ein Praxiskonzept und ein Geschäftsplan, möglichst unter professioneller Begleitung erstellt,
3. zweites berufliches Standbein in den ersten Praxisjahren.
Viele Kollegen und Kolleginnen "drücken" sich um Punkt 2 oder lassen sich Märchen erzählen, dass wer "es drauf hat", keinen Geschäftsplan und keine Gründungshilfe braucht. Das galt womöglich vor 15 Jahren, heute braucht man dies schon. Gute Heilpraktikerverbände leisten in diesem Bereich bereits wertvolle Unterstützung. Zusätzliche individuelle Beratung kann sinnvoll sein. Viele sparen hier an falscher Stelle, mit der Folge, dass die Praxis vor sich hin tröpfelt.

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> 11. Hand aufs Herz, würden Sie den Beruf des Heilpraktikers wieder ergreifen?

JA! Wo sonst hätte ich die Freiheit, meine Tätigkeit in dieser Weise selbst zu gestalten.